Die Diskussion um das „Für und Wider“ von Vorteilsregelungen hat nach unserer Auffassung mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Zunächst ist die Frage zu klären, ob Vorteilsregelungen tatsächlich die Zufriedenheit unserer Mitglieder steigern und die Motivation zu gewerkschaftlicher Aktivität verbessern können. Immerhin könnte eingewandt werden, dass der gleiche Effekt auch

mit einer guten Tarifarbeit und entsprechenden Lohnsteigerungen zu erzielen ist.

Weiter ist zu erörtern, ob und unter welchen Voraussetzungen Vorteilsregelungen tatsächlich Anreize dazu setzen, in ver.di einzutreten. Führen also Vorteilsregelungen wirklich zu einem spürbaren Mitgliederzuwachs? Noch ist diese Frage nicht schlüssig beantwortet, da entsprechende Erkenntnisse fehlen. Zudem könnte die unterschiedliche Behandlung von ver.di-Mitgliedern und Außenseitern im Betrieb auch zu der Haltung „Jetzt erst recht nicht!“ führen. Ungelöst ist auch nach wie vor das Problem, welche Rolle der jeweilige Organisationsgrad spielt. Bei einem hohen Grad dürften kaum zusätzliche Beitritte durch Vorteilsregelungen zu erwarten sein und bei einem geringen Organisationsgrad dürfte die Durchsetzung andererseits erhebliche Schwierigkeiten bereiten.

Befürworter wie Gegner von Vorteilsregelungen haben zudem abzuwägen, welche Folgen durch die Forderung nach einer Vorteilsregelung ausgelöst werden können. In vielen Branchen beteiligten sich in der Vergangenheit auch Nichtmitglieder in erheblichem Umfang an unseren Aktionen, bis hin zum Streik - und wir haben das begrüßt oder manchmal auch dringend gebraucht. Werden diese Unterstützer durch die Forderung nach Vorteilsregelungen nicht möglicherweise vor den Kopf gestoßen?

Noch also stehen wir mit der Diskussion und unseren Erfahrungen zu dem tarifpolitischen Instrument der Vorteilsregelung am Anfang. Neben der rechtlichen Problematik, die in einigen Punkten ungeklärt ist, wartet noch eine Menge von Diskussionsaufwand und Erfahrungsarbeit auf uns. Es gibt in ver.di Fachbereiche, die das Instrument befürworten, aber es gibt auch einige Fachbereiche, die dem Vorhaben eher reserviert bis ablehnend gegenüber stehen.

Gute Gründe gibt es bisher offensichtlich für jede Position und so müssen die Erfahrungen der nächsten Jahre zeigen, welcher Weg erfolgreich ist. Nach unserer Einschätzung kommt es für ver.di in den nächsten Jahren vor allem auf eine qualitativ verbesserte Tarifarbeit und Tarifpolitik an. Dazu können Vorteilsregelungen als ergänzendes Tarifziel beitragen.