Die Schwedische Prämienrente als Teil der Altersversorgung ist ein kapitalgedecktes System, das seit 1998 besteht. Schweden ist bekannt für seinen umfassenden Wohlfahrtsstaat. Auch die Altersversorgung bildet keine Ausnahme.  Das Gesamtsystem der schwedischen Altersversorgung besteht aus mehreren Bausteinen.

Kurzbericht über die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 8. Juni 2016 „Die Schwedische Prämienrente – ein Vorbild für die grundlegende Reform der Riester-Rente“: Die Veranstaltung war als nicht-öffentliches Fachgespräch angelegt.

Die HauptreferentInnen waren Ole Settergren, Leiter der Abteilung Analyse des schwedischen Rentenversicherungsamtes Pensionsmyndigheten, Prof. Dr. Andreas Knabe von der Universität Magdeburg, ein Finanzwissenschaftler und Barbara Sternberger-Frey, bekannte Finanzjournalistin mit verbraucherschutzpolitischem Hintergrund, früher bei Öko-Finanztest aktiv.

Anwesend waren viele Vertreter aus dem BMAS und dem Finanzministerium sowie Bundestagsabgeordnete, sowie VertreterInnen der Versicherungswirtschaft, Vertreter von Verbraucherschutzorganisationen und GewerkschaftsvertreterInnen (ver.di, DGB).

Die schwedische Prämienrente als Teil der Altersversorgung ist ein Kapital gedecktes System, das seit 1998 besteht.

Das Gesamtsystem der schwedischen Altersversorgung besteht aus mehreren Bausteinen. 16 % des Einkommens bis zu einer Bemessungsgrenze von 46.214 Euro pro Jahr geht in ein

Umlagefinanziertes System. 2,5 % geht in ein kapitalgedecktes System und 4,5 % geht in eine betriebliche Altersversorgung, die obligatorisch ist. Das Renteneintrittsalter ist 65 Jahre.

Die 2,5 % werden in zertifizierten Fonds angelegt, die von Einzelnen ausgewählt werden können (Auswahl unter 850 verschiedenen Fonds). Es gibt eine Auffanglösung, wenn kein spezieller Fonds ausgewählt wurde, ein staatlicher Fonds. Die Beträge verteilen sich zwischen AG und AN[1].

Interessant war, dass es keinerlei staatliche Förderung gibt.

Auf der Auszahlungsseite der Altersbezüge, besteht der überwiegende Teil  noch aus dem Umlagesystem, wegen der kurzen Laufzeit des Kapitalgedeckten Teils (nur 2 % der Rente) Im Jahr 2070 soll eine Quote von 22 % aus der Kapitaldeckung und 78 % aus der Umlagefinanzierung erreicht werden.

Das System ist in Schweden immer noch sehr umstritten, Die Rendite der Fonds war bislang gering (Platzen der Finanzblase 200-2002), ab 2010 bis 2015 bis zu 6 %.

Die Auszahlung ist von der Lebenserwartung abhängig, die ständig neu für bestimmte Gruppen berechnet und angepasst wird. Der Vorteil liegt darin, dass keine übertriebene Langlebigkeit zugrunde gelegt wird (z.B. 95 Jahre als Durchschnitt), dadurch wird die Sache etwas volativ.

Es gibt keine Garantie, d.h. die Rentenleistungen können schwanken. Der/die Einzelne kann zwischen den Fonds wechseln, er kann auch auf eine fest verzinsliche Anlage wechseln.

Das schwedische Modell besticht lt. Einschätzung von Prof. Knabe durch niedrige Kosten wegen einer zentralen Kostenverwaltung (Zertifizierung der Fonds), Wahlmöglichkeit des einzelnen, den Wettbewerb durch den staatlichen Fonds. Die Komplexität ist gegenüber Riester gering und eine hohe Transparenz der Kostenstruktur, Verzicht auf Garantierente und damit günstigere Anlagemöglichkeiten.

Das Hauptmanko des Vortrages war, dass keine Aussagen gemacht wurden (werden konnten, trotzNachfrage) wie hoch die Bruttolohnersatzquote in Schweden ist.

Lt. einer Info der FES, Wiso direkt, liegt die durchschnittliche Rente in Schweden 2012 bei 1.338 Euro, also 40 % der Durchschnittslöhne. Die betriebliche Rente lag bei 404 Euro. Damit ergibt sich ein Gesamtniveau von 52 %. Prognose Niveau der betrieblichen Rente ist steigend.

Interessant war noch der im Eiltempo vorgetragene Vorschlag von Sternberger-Frey, die als Alternative zur Riester-Rente  ein sog. Vorsorgekonto vorgestellt hat, das auch von dem Bund der Versicherten unterstützt wird und als ein Modell On-Top auf die GRV angeboten werden soll. Es umfasst ein kollektives Sparmodell mit Kapitalerhaltgarantie, Hinterbliebenenschutz und soll die Rentenabschläge ausgleichen. Der/die SparerIn zahlt 4 % des Bruttoeinkommens. Eine steuerliche Förderung (§ 3 Nr. 63 EStG) ist vorgesehen, allerdings keine sozialversicherungsrechtliche Privilegierung. Eine Anrechnung auf die Grundsicherung soll durch großzügige Freibeträge gesteuert werden. Anbieter sollte ein unabhängiges Versorgungswerk sein. Das Modell soll nicht unter Solvency II fallen, da es sich um eine neue Form der Sozialversicherung handelt.

Soweit in aller Kürze:

Meines Erachtens sollten wir uns das Modell näher ansehen. Es ist nicht uninteressant. Sternberger-Frey steht der Versicherungswirtschaft und den Konditionen, die sowohl bei der privaten Altersversorgung als auch bei der betrieblichen AV vorherrschen, sehr kritisch gegenüber. Insbesondere die Kalkulation mit einem hohen Lebensalter stehen dabei in der Kritik.

Die Diskussion über die Veränderung der Rahmenbedingungen der bAV spielten nur am Rande eine Rolle.

 

Berlin, 13. Juni 2016, Jörg Wiedemuth


[1] Zur Aufteilung und Berechnung des Beitragssatzes von 18,5 % siehe das Länderprofil bei OECD „Renten auf einen Blick 2013“, S. 342 (im Internet abrufbar)

 

 

 

Karen M. Anderson
in WISO DIREKT 30/2015

Ein nordisches Erfolgsmodell im Wandel
Das System der betrieblichen Altersvorsorge in Schweden 

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